„Nachricht von dir“ (G.Musso)


Durch die beherzte Empfehlung einer Kundin bin ich vor einer ganzen Weile schon auf einen seitdem persönlichen „Langzeit Renner“ gestoßen.
Während einige Titel ein kurzes Hoch in meinem Buchhändleralltag erleben und dann wieder in der Versenkung verschwinden, weil sie von anderen Neuerscheinungen überlagert werden oder „jeder“ sie schon gelesen hat, gehört dieses Buch definitiv zu denen, die ich regelmäßig nachbestellen muss, weil sie eben irgendwie etwas Besonderes sind- auch noch längere Zeit nach Ihrem Erscheinen.

Guillaume Musso ist unter den Lesern mittlerweile kein Unbekannter mehr. Doch obwohl „Nachricht von dir“ nicht sein erstes auf Deutsch veröffentlichtes Buch gewesen ist, wage ich zu behaupten, dass ihm damit sein großer Durchbruch gelang.
Trotzdem französische Liebesgeschichten und Krimis keine Seltenheit mehr auf dem Markt sind, ist es wohl Mussos Talent diese beiden Komponenten ganz großartig zu verbinden, das seine Bücher so erfolgreich macht- er ist einfach immer für eine sehr unerwartete Überraschung gut!

Zu Beginn erfährt man nicht viel über die beiden Hauptdarsteller. Madeline, eine junge Floristin aus Paris, und Jonathan, Besitzer eines Restaurants aus San Francisco, stoßen am Flughafen auf musso-nachricht-von-dirunangenehme Weise zusammen und vertauschen ihre Handys. Erst in der jeweiligen Heimatstadt angekommen, bemerken die beiden ihre schicksalhafte (oder zufällige?) Verwechslung.
Anfangs noch darauf bedacht ihren Fauxpas möglichst zügig rückgängig zu machen, interessieren sich die beiden mit der Zeit immer stärker für das Leben des jeweiligen anderen und so werden die Mobiltelefone zu geheimnisvollen Schatztruhen und letztendlich vielleicht auch ein bisschen wie persönliche Büchsen der Pandora.
Durch das Öffnen verschiedener Dateien geraten Madeline und Jonathan tiefer in die Vergangenheit und gut gehütet gedachte „Abgründe“ des „Tauschpartners“. Denn beide haben nicht immer ihr jeweils aktuelles Leben gelebt.
Jonathan war einst ein berühmter Sternekoch, der die unglückliche Trennung von seiner Frau nie verkraftet und dadurch letztlich gezwungen war, sein Karriereende einzuläuten. Madeline arbeitet seine Trennung auf und stößt auf merkwürdige Ungereimtheiten- Hat Jonathans Frau ihn wirklich so betrogen, wie er vermutete? Unerwartete Wahrheiten kommen ans Licht…
Madeline war noch vor wenigen Jahren eine angsehene Polizistin, die an ihrem letzten Fall, dem Verschwinden der vierzehnjährigen Alice, zerbrach. Sie konnte den vermeintlichen Tod des Mädchens nie aufklären und überlebte selbst nur knapp einen darauf folgenden Selbstmordversuch. Jonathan verschlägt der Anblick der alten Akten den Atem- er hat das Mädchen lebend gesehen! Aber erst nachdem sie für tot erklärt wurde…
Beide werden füreinander das letzte Puzzleteil in ihren scheinbar nie zu lösenden persönlichen Rätseln…

Eingeordnet in den großen Wust der Unterhaltungsliteratur, hat mir dieses Buch wirklich außerordentlich gut gefallen. Weder fand ich es stilistisch übertrieben „französisch“, noch in irgendeiner Weise vorhersehbar, wie ich anfangs, das muss ich gestehen, nach dem Lesen des Klappentextes erwartet hatte.
Sowohl Krimifans im weitesten Sinne, als auch Leser typischer „Damenromane“ kommen, meiner Meinung nach, mit kleinen Abstechern ins jeweils andere Genre, überraschend gut auf ihre Kosten.
Ich werde jedenfalls nicht müde, „Nachricht von dir“ immer wieder zu empfehlen.


Titel: „Nachricht von dir“
Autor: Guillaume Musso
übersetzt von: Eliane Hagedorn, Bettina Runge
erschienen im: März 2012
aktuelle Ausgabe: Taschenbuch 9,99 € (auch als Ebook 8,99 €)
Seiten: 480
ISBN: 978-3-492-30294-4

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4 thoughts on “„Nachricht von dir“ (G.Musso)

  1. Das ist auch das, was den Film „Jeff, der noch Zuhause wohnt“ so toll macht (auch wenn die Hälfte der Anwesenden das nicht kapiert hat).Er glaubt nicht an Zufälle und verbringt schon mal Stunden damit am Straßenrand zu sitzen und auf das nächste Zeichen zu warten. Dafür wird er natürlich von allen anderen für verrückt gehalten. Im Laufe des Films fängt man aber zwangsläufig an, über Zufall und Schicksal und Glück und Unglück nachzudenken.

  2. Wie so oft im Leben… Was wäre gewesen, WENN.. einer der beiden nur dreißig Sekunden später auf den Tisch im Flughafenrestaurant zugerannt wäre?… sie gleich bemerkt hätten, dass sie die Handys vertauscht haben?… sie die Handys, wie abgemacht, schnell zurückgeschickt hätten?.. und und und
    Diese Verkettungen sind nichtmal erfunden. Jedem passiert doch sowas tagtäglich..ein Gänsehautthema!

  3. Das hab ich auch gelesen. Ich war sehr gefesselt, aber hin und wieder packt man sich doch an den Kopf weil das ganze doch etwas absurd ist (das mit der Herztransplantation und so).

    • Ohne das Herz im Tupperbehälter wäre es nur halb so dramatisch gewesen 😀 Hatte ich verdrängt…

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