Gegen das Bücher- und Buchhandelssterben!


Seit fast genau dreizehn Jahren existiert nun das wohl wichtigste Instrument des deutschen Buchhandels: Das Preisbindungsgesetz!
Mit dem ominösen TTIP, das seit einiger Zeit stetig präsent durch die Medien geistert, ist dieses und damit der gesamte Buchhandel, wie wir ihn kennen, in Gefahr!
Was genau es damit auf sich hat und viel wichtiger, was ihr dagegen tun könnt, erfahrt ihr hier:

„Lesen“ und damit unweigerlich auch „Bildung“ sind der Schlüssel zur Zukunft. Wir erschließen Wissen, schauen über den Tellerrand, lernen mit der Leseerfahrung auch zwischen die Zeilen zu sehen.
„Lesen“ füttert unsere Phantasie, es lässt uns Auszeiten nehmen, die Energiereserven auftanken, hilft uns manchmal schwierige Situationen zu meistern.
Bücher machen die Geschichte lebendig. Sie leben länger als jede CD, jeder USB-Stick, vermutlich sogar länger als die meisten Fotos.
Das Buch ist ein Kulturgut, das geschützt werden muss! Das zeigt nicht zuletzt der verminderte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, sondern auch ein Gesetz, das vor nun mehr dreizehn Jahren in Kraft getreten ist: das Preisbindungsgesetz.

㤠1 Zweck des Gesetzes
Das Gesetz dient dem Schutz des Kulturgutes Buch. Die Festsetzung verbindlicher Preise beim Verkauf an Letztabnehmer sichert den Erhalt eines breiten Buchangebots. Das Gesetz gewährleistet zugleich, dass dieses Angebot für eine breite Öffentlichkeit zugänglich ist, indem es die Existenz einer großen Zahl von Verkaufsstellen fördert.“

Schon der erste Paragraph zeigt deutlich, wie ehrenhaft und wichtig die Absicht hinter diesem Instrument ist. Neue Bücher sollen für jeden und überall in Deutschland den gleichen Preis haben. Das macht das Bücherkaufen nicht nur zu einer entspannten Sache, weil man nicht stetig Preise vergleichen muss und einfach dort kauft, wo es am billigsten ist. Nein, es macht das Bücherkaufen zu einer selbstbestimmten Sache, denn man kann sich aussuchen, wo man seine Bücher am liebsten kaufen möchte bzw. seiner Sucht einfach überall Einhalt gebieten.
Am liebsten Bücher kaufen kann man in Deutschland mittlerweile in fast 5000 Buchhandlungen- such dir einfach eine aus!
Große wie kleine Buchhandlungen, Filialunternehmen wie vom Inhaber geführte Buchhandlungen existieren nach dem großen, überwiegend gelöschten Flächenbrand durch eine Kette vor ein paar Jahren weitgehend friedlich nebeneinander. Gerade findet sogar eine Rückbesinnung von den Internetriesen zum stationären Buchhandel statt.
Über 2000 Verlage versorgen uns in Deutschland jedes Jahr mit nahezu 90.000 neuen Buchtiteln (inklusive Neuauflagen). Die wenigsten davon finden wir tatsächlich irgendwann auf der „sagenumwobenen“ Bestsellerliste, die zwar für viele Käufer eine unabdingbare Hilfestellung bzw. Orientierung darstellt, letztlich aber nicht das Nonplusultra der Bücherlandschaft, sondern „nur“ einen Teil eben dieser ausmacht.
Immer mehr Bedeutung gewinnen gerade die Bücher, die einen kleinen Schubs brauchen, die man entdecken und mit dem Herzen weiterempfehlen muss und darf, damit sie eine Chance haben.
Doch all das ist durch die geplante „Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft“ (TTIP) in großer Gefahr. Selbst unabhängig vom Buchhandel ist dieses Abkommen ein „Teufelspakt“, der letztlich deutlich zu Lasten des Verbrauchers gehen wird. Haben wir jetzt im eigenen Land trotz teilweise strenger Kontrollen und Auflagen schon Qualitätsprobleme beispielsweise im Lebensmittelbereich, müssen uns Gedanken über Massentierhaltung etc. machen, kann der kleine Biobauer nach TTIP mit Sicherheit seine Pforten schließen.
Nicht auszudenken, was wir dann in unseren Supermarktregalen finden, unterscheiden sich die Produktionsstandards in den USA doch immer noch sehr von unseren. Profitieren können am Ende lediglich die Konzerne!
Genau die sind auch im Bereich der Bücher in das Freihandelsabkommen involviert. Während der Buchhändler sich mit seiner Ware identifiziert, liebt, was er verkauft, einen Handel betreibt, der nicht vom Geld allein, sondern auch von seinen Idealen getragen wird, ist das Buch für diese Großkonzerne ein Produkt von vielen, kein Kulturgut, sondern ein Mittel zum Zweck.  Es ist ihnen nicht wichtig für jeden Leser das passende Buch zu finden. Inhalte sind nichtig, so lange das Buch die richtigen Zahlen schreibt. Monopolstellung und damit Geld, Geld und Geld sind die entsprechenden Schlagworte.
Vielfalt und Qualität werden mit Füßen getreten! Das Buch wird nicht mehr für Kultur stehen, sondern sich gezwungenermaßen der übrigen Verrohung anpassen müssen.
Damit dieses Schreckensszenario nicht zur traurigen Wirklichkeit wird, hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Aktion „Buchhandel statt Freihandel“ ins Leben gerufen und wir alle können mit dem Ergänzen des Satzes „Ich unterstütze meine Buchhandlung, weil…“ unseren Beitrag leisten.

TTIP_Banner

Ich bin Buchhändlerin aus Leidenschaft, mit dem Herzen dabei. Ich werde durch meinen Beruf nicht reich, manchmal muss ich mich über unverschämte Konflikte ärgern, manchmal krieche ich vor Anstrengung im Weihnachts- oder Schulbuchgeschäft auf dem Zahnfleisch.
Aber ich führe tolle Gespräche über Bücher. Öffne keinen einfachen Karton mit Büchern, sondern finde einen Schatz. Ich empfehle Bücher, weil sie mir am Herzen liegen, verkaufe sie nicht, sondern gebe sie wie ein Kind an die Hand einer neuen Familie. Ich präsentiere keine Ware, sondern zeige Bücher in all ihrer Schönheit. Ich werde „bezahlt“ durch jedes Paar strahlende Augen, das mich ansieht und mir erzählt, wie toll das Buch gewesen ist, das ich empfohlen habe. Durch jedes Kind, das es nicht erwarten kann den nächsten Band der Reihe zu lesen, über das wir gesprochen haben.
Ich möchte, dass mein Beruf meine Berufung bleibt und nicht zu etwas wird, von dem man sich später erzählt, dass es so etwas früher einmal gegeben hätte:
– Jetzt unterzeichen- !

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21 Gedanken zu “Gegen das Bücher- und Buchhandelssterben!

  1. Einen sehr guten Artikel hast du hier geschrieben! Man merkt deine Leidenschaft, er ist sehr informativ und ich habe schon mal gleich rübergeklickt.
    Liebe Grüße, Becky

    1. packingbooksfromboxes

      Du schnupperst richtig 😉
      Danke für deine lieben Kommentar und deine Stimme, die du ebenfalls erhoben hast!

  2. Deinem Artikel, dem man das Herzblut tatsächlich in jedem Wort anmerkt, kann ich mich nur anschließen. Bei der Webseite auf die du dann verlinkst, habe ich mich jedoch gefragt, ob es tatsächlich eine Auswirkung hat, wenn man dort unterschreibt? Werden die Unterschriften später irgendwohin weitergeleitet? Mein Verständnisproblem ist: Handelt es sich wirklich um eine Petition oder um eine Solidaritätsbekundung?

    1. packingbooksfromboxes

      Soweit ich weiß, soll das tatsächlich mit der Absicht auf hoffentlich positive Auswirkung geschehen, was dort an „Unterschriften“ gesammelt wird. Jedenfalls steht mit dem Börsenverein das höchste Organ des deutschen Buchhandels als Initiator dahinter. Das Ganze soll große und weite Kreise ziehen. Du kannst sonst „Buchhandel statt Freihandel“ auch nochmal in die Suchfunktion auf der Homepage beim Börsenverein direkt eingeben. Da stehen noch weiterführende Infos 😉

    2. packingbooksfromboxes

      Um das Ganze nun noch mit Infos aus erster Hand zu schmücken: es ist im Moment tatsächlich „nur“ eine Solidaritätsbekundung. Sollten allerdings genügend Buchliebhaber daran beteiligt sein, und danach sieht es es wohl aus, werden die „Unterschriften“ an die entsprechenden Stellen in der Politik überreicht.
      Liebe Grüße!

  3. Leider wird TTIP tatsächlich den Kulturbetrieb, die Bildung, die Literatur gefährden. Aber der Buchmarkt ist jetzt schon extrem unter Druck. Man kann die kleinen unabhängigen Buchhandlungen und Verlage täglich sterben sehen. Ich finde, auch die LeserInnen hätten die Macht, ein wenig etwas zu ändern, indem sie nicht nur auf Bestsellerlisten oder Literatursendungen schauen, sondern sich selbst mal auf Entdeckungsreise bei kleinen und unabhängigen Verlagen machen. Ist mühsam, weil viel „Schund“ gedruckt wird, aber ohne eigene Suche übersieht man auch den ein oder anderen Diamanten….

    1. packingbooksfromboxes

      Da hast du wahrlich nicht unrecht. Man kann da als Buchhändler/Buchliebhaber nur gegensteuern, indem man aufmerksam macht, über solche Dinge redet. Ich erkläre z.B. jedes Mal, wenn mich jemand fragt „was ist denn so an guten Titeln auf der Bestsellerliste?“, wie diese Bewertung erfolgt und dass es sich letztlich nur um Verkaufszahlen handelt. Viele Kunden wissen das nicht, aber ich bin einen Schritt weiter, wenn derselbe Kunden beim nächsten Mal fragt, ob ich ihm etwas anderes empfehlen kann.
      Ich bin mir sicher, dass Literatur, die überleben soll, auch ohne TTIP immer den Kampfgeist von Unterstützern brauchen wird. Aber wenn die Preisbindung ausgehebelt wird, dann wird es dazu mit einem Schlag kaum noch Möglichkeiten geben.

  4. Ah, das Thema, das ich im Studium einbringe, wann immer möglich. Leider scheitere ich bisher an den meisten Dickschädeln, denen die Bestelloption im Buchhandel als Alternative zum Onlineshopping zu unbequem ist.

    1. packingbooksfromboxes

      Der größte Schwachsinn ever, da selbst WIR mittlerweile eine Internetseite haben, auf der man rund um die Uhr bestellen kann, wenn man es denn nicht schafft zu den Öffnungszeiten anzurufen o.ä. . Was den deutschen Buchhandel und neue Bücher angeht, gibt es kein einziges Argument mehr, das A. über die Buchhandlung heben könnte- finde ich!
      Aber so lange es uns letzte Mohikaner gibt, die nicht müde werden dagegenzuhalten… 😉

    1. packingbooksfromboxes

      Liebe Ulrike,
      vielen Dank für deinen Kommentar und die Einladung auf deinen Blog. Deine Bemerkungen zum Buchhandel haben mich gleichermaßen amüsiert, wie beeindruckt. (Ich bin recht froh, dass ich nicht auf die Idee kommen würde, einen Kunden mit dem Wunsch nach „Schiller“ in die gegenüberliegende Parfümerie zu schicken 😀 .)
      Wie schon so oft, habe ich auch hier wieder festgestellt, dass die Gemeinsamkeit des leidenschaftlichen Buchhändlerdaseins gleich besonders verbindet.
      Viele, liebe Grüße zurück,
      Vanessa

      1. packingbooksfromboxes

        Liebe Ulrike,
        herrliche Stilblüten, die du da gesammelt hast. Besonders gut gefällt mir die „erogene Zone“. Auch wir Buchhändler müssen zuweilen sehr befremdlich wirken, wenn wir uns „literarisch“ unterhalten. („Ich bin mal eben bei Wolfgang Borchert!“ – Draußen vor der Tür 😉 )
        Man erlebt schon lustige Dinge.
        Vielen Dank für deine Einblicke, ich schaue ab sofort sehr gerne häufiger vorbei!
        Einen schönen Lesesonntag wünsche ich dir und herzliche Grüße,
        Vanessa

      2. Vielen DANK, liebe Vanessa, für Deine Zustimmung und Dein herrliches Beispiel für literarische Gesprächsanwendungen.
        Nächsten Mittwoch publiziere ich noch einmal einen STILBLÜTENTEXT, aber den wirst Du dann ja ohnehin im Postfach vorfinden.
        Auf beiderseitiges Wiederlesen!
        SONNtägliche Grüße 🙂
        Ulrike

  5. Vielen lieben Dank für den tollen Artikel!
    Jetzt merkt man erst, wie uninformiert man war… und mit „man“ meine ich mich.. .:-O

    „Ich empfehle Bücher, weil sie mir am Herzen liegen, verkaufe sie nicht, sondern gebe sie wie ein Kind an die Hand einer neuen Familie. “
    Das ist so ein Satz, den man sich nicht einrahmen soll, sondern in ein Marmeladenglas verschrauben und fest in einem Regal im Herzen aufbewahren muss. 😉 Das hast du so schön gesagt!

    1. packingbooksfromboxes

      Den Satz mit dem Marmeladenglas hast du nicht weniger schön gesagt 🙂 . Vielen, lieben Dank für deinen Kommentar!!
      Ich glaube, das uninformiert Sein kommt in diesem Fall aber gar nicht daher, dass man einfach ignorant durch die Weltgeschichte stolpert, sondern daran, dass so viel unter den Teppich gekehrt wird… deshalb musste ich auch diesen sehr plakativen Artikel schreiben, denn letztlich muss darüber gesprochen werden. Nur so kann man anfangen sich zu wehren

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